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DIN EN 609-1: was die Norm für Keilspaltmaschinen regelt – und was wir davon wissen
DIN EN 609-1:2017-04 „Keilspaltmaschinen“ ist die Sicherheitsnorm für liegende und stehende Holzspalter, unabhängig vom Antrieb. Sie regelt Gestaltung, Schutzeinrichtungen wie die Zweihandschaltung und die Informationen, die der Hersteller mitliefern muss. Den kostenpflichtigen Normtext haben wir nicht eingesehen; diese Seite zeigt, was sich aus öffentlichen Quellen belegen lässt.
Die Antwort vorab
DIN EN 609-1:2017-04 legt Sicherheitsanforderungen und deren Prüfung für horizontale und vertikale Keilspaltmaschinen fest. Laut Prüfbericht des Regierungspräsidiums Kassel verlangt sie unter anderem, dass der Spaltvorgang beim Loslassen eines Bedienelements sofort stoppt und die Zweihandschaltung nicht einfach zu umgehen ist. Eine Tonnenvorgabe nach Holzart enthält sie nach allen Quellen, die wir kennen, nicht.
Die Norm in drei Sätzen
DIN EN 609-1:2017-04 heißt vollständig „Land- und Forstmaschinen – Sicherheit von Holzspaltmaschinen – Teil 1: Keilspaltmaschinen“. Laut Inhaltsangabe von DIN Media legt sie sicherheitstechnische Anforderungen und deren Prüfung für Gestaltung und Konstruktion von horizontalen und vertikalen Keilspaltmaschinen zum Spalten von Brennholz fest, egal mit welchem Antrieb. Außerdem bestimmt sie, welche Informationen zum sicheren Arbeiten der Hersteller bereitstellen muss.
Für dich als Käufer ist sie die Messlatte, an der sich jeder elektrische Holzspalter messen lassen muss. Das Regierungspräsidium Kassel hat sie 2024 als maßgebliche Produktnorm für seine Prüfungen herangezogen, neben der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und dem Produktsicherheitsgesetz.
Steckbrief
| Merkmal | Angabe | Quelle |
|---|---|---|
| Ausgabe | 2017-04, deutsche Fassung EN 609-1:2017 | DIN Media |
| Umfang | 65 Seiten | DIN Media |
| Ersetzt | DIN EN 609-1:2010-07 | DIN Media |
| Zuständig | Arbeitsausschuss NA 051-03-05 AA „Forstmaschinen“ im DIN-Normenausschuss Kommunale Technik | DIN Media |
| Rechtsrahmen | Maschinenrichtlinie 2006/42/EG | RP Kassel 2024 |
| Teil 2 | DIN EN 609-2 für Schraubenspaltmaschinen (Kegelspalter) | Normreihe EN 609 |
Laut Änderungsvermerk kamen 2017 unter anderem eine Liste der signifikanten Gefährdungen, ein überarbeiteter Abschnitt 5 mit den Sicherheitsanforderungen, Anforderungen an Zugwinden und die neuen normativen Anhänge B, C und D hinzu.
Warum die Norm 2017 überarbeitet wurde
Der KAN-Brief 1/2018 erklärt den Hintergrund. Die alte Fassung betrachtete nur den Betrieb durch eine einzelne Person. Unfallauswertungen der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) aus mehreren Jahren zeigten aber, dass auch Menschen verletzt werden, die Holz zuführen oder abtransportieren. Ziel der Überarbeitung war deshalb, neben dem Maschinenführer auch andere Personen im Umfeld zu schützen.
Laut KAN standen dabei im Mittelpunkt:
- eine sichere Fixierung des Holzes, vor allem bei senkrecht spaltenden Maschinen,
- Schutz gegen die Manipulation von Zweihandschaltungen,
- Werkzeuge, die eine sichere Anwendung ermöglichen, und gesicherte Quetsch- und Scherstellen,
- neue Sicherheitsabstände bei waagerecht spaltenden Maschinen,
- Standsicherheit, sicherer Transport und ergonomische Bedienung.
Die Anforderungen wurden nach liegenden und stehenden Maschinen sowie nach Kurz- und Meterholzspaltern getrennt formuliert. Die Inhaltsangabe von DIN Media beschreibt den Spaltvorgang als für eine Bedienperson ausgelegt und erwähnt, dass weitere Personen etwa beim Be- und Entladen arbeiten können. Unsere Regel für den privaten Spaltplatz bleibt: Eine Person bedient, niemand reicht im Spaltbereich Holz an. Warum, steht unter Holzspalter sicher bedienen.
Was in der Norm steht: Gliederung und belegte Inhalte
Das Inhaltsverzeichnis ist bei DIN Media öffentlich. Die Inhalte einzelner Abschnitte kennen wir nur, soweit der Prüfbericht des Regierungspräsidiums Kassel (RP Kassel) sie wiedergibt. Alles andere haben wir nicht eingesehen.
| Abschnitt (laut Inhaltsverzeichnis) | Was wir belegt wissen |
|---|---|
| 3 Begriffe, u. a. Horizontal- und Vertikal-Keilspaltmaschine, Kurz- und Langholz, Spaltkeil | nur die Begriffe, keine Definitionstexte |
| 5.2 Elektrische Ausrüstung | Schutzart mindestens IP44 für Stecker und Hauptschaltkasten (RP Kassel) |
| 5.6 Zweihandschaltung | sofortiger Stopp beim Loslassen eines Bedienelements, kein unbeabsichtigtes Auslösen, keine Betätigung mit anderen Körperteilen als beiden Händen, Schutz gegen einfaches Umgehen etwa mit Klebeband, Schnur oder Holzstück, Sicht auf den Spaltbereich und seine Zugänge (RP Kassel) |
| 5.7 Energieversorgung | kein selbsttätiger Wiederanlauf nach einer Unterbrechung der Energieversorgung (RP Kassel) |
| 5.8 Hydraulische Ausrüstung | Kennzeichnung der Hydraulikteile nach DIN EN ISO 4413, Angaben in Anleitung oder Ersatzteilliste (RP Kassel) |
| 5.9 Schutzmaßnahmen für den Spaltbereich, getrennt nach liegend/stehend und Kurz-/Langholz | nicht eingesehen |
| 5.10 Holzhalteeinrichtungen | nicht eingesehen; Anhang A regelt ihre Prüfung bei stehenden Maschinen |
| 5.11 Rücklauf, 5.13 Zugwinden, 5.15 Standsicherheit, 5.16 Transport | nicht eingesehen |
| 7.1 Kennzeichnung der Maschine | u. a. Hersteller mit Anschrift, Typ, Maschinengewicht, höchster Betriebsdruck der Hydraulik, zulässige Holzmaße, elektrische Nenndaten (RP Kassel) |
| 7.2 Warnhinweise | u. a. Hinweise auf Augen-, Hand-, Fuß- und Gehörschutz, nahe an den Gefahrenstellen (RP Kassel) |
| 7.3 Betriebsanleitung | sicherer Betrieb, Wartung, Schutzausrüstung, bestimmungsgemäße Verwendung und vorhersehbarer Fehlgebrauch (RP Kassel) |
| Anhang B | Lösungsbeispiele gegen das Umgehen der Zweihandschaltung mit einer Hand, mit Hand und Ellbogen, mit Unterarmen oder Ellbogen und mit dem Knie – nur die Überschriften eingesehen |
Nicht eingesehen haben wir außerdem konkrete Maße, Kräfte, Sicherheitsabstände und Prüfwerte. Ob und wie die Norm Spaltkreuze oder mehrere Keile behandelt, können wir deshalb nicht belegen; in Inhaltsverzeichnis und Prüfbericht kommen sie nicht vor. Mehr dazu unter Spaltkreuz für den Holzspalter.
Norm und Wirklichkeit: der Prüfbericht 2024
Eine Norm ist eine Anforderung, keine Garantie. Das RP Kassel hat 2024 elf Holzspaltmaschinen aus stationärem und Onlinehandel nach DIN EN 609-1 geprüft. An allen 11 fand es Mängel an der Zweihandschaltung; bei 9 von 11 ließ sie sich mit Holzstück oder Klebeband überbrücken, bei 6 von 11 mit Knie, Arm oder Ellenbogen bedienen. Damit war Abschnitt 5.6 in diesen Fällen nicht erfüllt. Einen Zusammenhang mit Preis oder Bezugsquelle fand die Behörde nicht, Gerätenamen nennt der Bericht nicht.
Wer deshalb über ein Fußpedal statt einer Hand nachdenkt, verlässt genau den Schutz, den Abschnitt 5.6 verlangt – siehe Fußpedal statt Zweihand?. Ob Geräte aus Baumarkt und Onlinehandel trotzdem empfehlenswert sind, beantwortet Sind Holzspalter sicher?.
Was du mit der Norm beim Kauf anfangen kannst
Konformitätserklärung lesen
In der Anleitung steht die EU-Konformitätserklärung. Scheppach nennt für den HL760L dort EN 609-1:2017 und die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Fehlt die Erklärung oder die Anleitung ganz, ist das ein Warnzeichen – bei einem der elf geprüften Geräte lag laut RP Kassel keine Anleitung bei.Typenschild prüfen
Nach Abschnitt 7.1 gehören unter anderem Hersteller mit Anschrift, Maschinengewicht, höchster Hydraulikdruck, zulässige Holzmaße und elektrische Nenndaten auf die Maschine.Zweihandschaltung prüfen
Nach dem Aufstellen: Lässt du ein Bedienelement los, muss der Spaltvorgang sofort stoppen. Tut er das nicht, nutze das Gerät nicht und wende dich an Händler oder Hersteller.
Welche liegenden Geräte wir mit gelesener Anleitung oder gelesenem Datenblatt vergleichen, steht unter liegender Holzspalter. Wie wir Quellen auswählen, erklärt die Methodik; einen Überblick über ältere Warentests und den Prüfbericht gibt Tests und Prüfberichte. Zurück zur Kaufberatung auf der Startseite.
Fragen aus der Werkstatt
Welche Norm gilt für elektrische Holzspalter?
Für Keilspaltmaschinen gilt DIN EN 609-1:2017-04 „Land- und Forstmaschinen – Sicherheit von Holzspaltmaschinen – Teil 1: Keilspaltmaschinen“. Sie gilt für horizontale und vertikale Geräte, unabhängig von der Antriebsart. Kegel- und Schraubenspalter regelt DIN EN 609-2. Rechtlicher Rahmen ist die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.
Kann ich den Normtext kostenlos lesen?
Nein. DIN Media verkauft DIN EN 609-1:2017-04 als PDF mit 65 Seiten. Kostenlos einsehbar sind die Inhaltsangabe, das Inhaltsverzeichnis und die Änderungen gegenüber der Vorgängerausgabe. Einzelne Anforderungen geben Behörden wie das Regierungspräsidium Kassel in ihren Prüfberichten wieder.
Woran erkenne ich, ob mein Holzspalter nach DIN EN 609-1 gebaut ist?
Schau in die EU-Konformitätserklärung in der Anleitung. Scheppach nennt dort für den HL760L zum Beispiel EN 609-1:2017 und die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Die Angabe ist eine Erklärung des Herstellers, keine unabhängige Prüfung; die Marktüberwachung fand 2024 bei allen 11 geprüften Geräten Abweichungen von der Norm.
Schreibt die Norm vor, wie viele Tonnen ein Holzspalter haben muss?
Nach allen Quellen, die wir eingesehen haben, nicht. Weder Inhaltsangabe noch Inhaltsverzeichnis noch Prüfbericht nennen eine Spaltkraft nach Holzart. Die gängigen Tonnenempfehlungen stammen von Herstellern; Forest Master nennt zum Beispiel 7 t für fast alle Holzarten in frischem Zustand.
Quellen
- DIN Media: DIN EN 609-1:2017-04, Produktseite mit Einführungsbeitrag und Änderungsvermerk
- DIN Media: Inhaltsverzeichnis DIN EN 609-1:2017-04 (deutsch)
- Regierungspräsidium Kassel: Abschlussbericht 2024 Holzspaltmaschinen (Stand 29.01.2026)
- KAN-Brief 1/2018: Neue Normen für Brennholzkreissägen und Keilspaltmaschinen (S. 15)
- Scheppach: Originalbetriebsanleitung HL760L mit EU-Konformitätserklärung (Rev. 06/02/2025)
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Wer das zusammenstellt
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Kaufberatung Holzspalter & Brennholz
Wir sind die Redaktion von holzspalter-elektrisch.de. Wir werten Datenblätter, Bedienungsanleitungen, die Norm DIN EN 609-1 und Berichte der Marktüberwachung aus und machen daraus Kaufberatung für alle, die ihr Brennholz selbst spalten – mit Quellen auf jeder Seite. Eigene Tests oder Messungen machen wir nicht, und das sagen wir offen.
- Datenblätter und Anleitungen ausgewertet
- Norm und Prüfbericht als Maßstab
- Keine eigenen Tests – offen gesagt
- Quellen auf jeder Seite