Frage & Antwort
Darf man die Zweihandbedienung am Holzspalter auf ein Fußpedal umbauen?
Nein. Ein Fußpedal statt einer Hand hebt die Schutzwirkung der Zweihandschaltung auf: Laut DIN EN 609-1 darf sie nicht mit anderen Körperteilen als beiden Händen zu bedienen sein. Zulässig sind nur Umrüstsätze, die der Hersteller deines Geräts freigegeben hat.
Die kurze Antwort
Nein. Die Zweihandschaltung soll beide Hände außerhalb des Spaltbereichs halten. DIN EN 609-1 verlangt laut Prüfbericht des Regierungspräsidiums Kassel, dass sie sich nicht mit anderen Körperteilen bedienen und nicht einfach umgehen lässt. Ein Fußpedal statt einer Hand macht genau das. Verwende nur Umrüstsätze, die der Hersteller deines Geräts freigegeben hat.
Die kurze Antwort: Finger weg vom Fußpedal
Die Zweihandschaltung ist die wichtigste Schutzeinrichtung am Holzspalter. Der Spaltvorgang läuft nur, solange beide Hände je ein Bedienelement halten. So sind beide Hände außerhalb des Spaltbereichs, während Keil oder Schubplatte sich bewegen. Ersetzt ein Fußpedal eines der Bedienelemente, ist eine Hand frei, und genau diese Hand landet im Ernstfall am Holz.
Die Produktnorm DIN EN 609-1:2017-04 schließt das aus. Den Normtext haben wir nicht eingesehen. Laut Prüfbericht des Regierungspräsidiums Kassel verlangt ihr Abschnitt 5.6 unter anderem:
- sofortiger Stopp, wenn ein Bedienelement losgelassen wird,
- keine Betätigung mit anderen Körperteilen als beiden Händen,
- Schutz gegen einfaches Umgehen, etwa mit Klebeband, Schnur oder Holzstück.
Ein Fußpedal statt einer Hand verstößt gegen den Zweck dieser Anforderungen. Eine Anleitung für einen solchen Umbau gibt es auf dieser Website deshalb nicht, auch keine für das Überbrücken oder Festklemmen von Hebeln.
Warum die Frage so oft gestellt wird
Meist steckt ein praktisches Problem dahinter: Ein Holzstück kippt, verrutscht oder steht schief, und man möchte es mit einer Hand halten, während der Keil kommt. Der KAN-Brief 1/2018 beschreibt genau diese Lage als Unfallursache. Bei der Überarbeitung der Norm hat die SVLFG Unfälle aus mehreren Jahren ausgewertet. Bei senkrecht spaltenden Maschinen erwies sich die sichere Fixierung des Holzstücks als entscheidend: Lässt sich ein Stück nicht richtig fixieren, greifen Bediener oder eine dritte Person in den unmittelbaren Gefahrenbereich, laut KAN „mit zum Teil fatalen Folgen“.
Das Fußpedal löst das Problem also nicht, es schafft die Gelegenheit für den gefährlichsten Handgriff. Sicherer ist, was die Hersteller in ihren Anleitungen vorschreiben. Forest Master verlangt zum Beispiel, dass die Stirnseiten rechtwinklig gesägt und Äste bündig abgeschnitten sind, damit das Holz fest aufliegt und sich beim Spalten nicht verdreht.
Was die Marktüberwachung 2024 gezeigt hat
Dass eine Zweihandschaltung auf dem Papier existiert, heißt noch nicht, dass sie wirkt. Das Regierungspräsidium Kassel hat 2024 elf Holzspaltmaschinen aus Fach- und Onlinehandel geprüft. An allen 11 fanden die Prüfer Mängel an der Zweihandschaltung. Bei 9 von 11 ließ sie sich mit einem Holzstück oder Klebeband überbrücken, bei 6 von 11 mit Knie, Arm oder Ellenbogen bedienen. Die Manipulationen waren laut Bericht ohne Werkzeug möglich. Gerätenamen nennt der Bericht nicht.
Die Behörde wertet diese Umgehbarkeit als „unmittelbare Gefährdung der Anwender“. Ein selbst gebautes Fußpedal würde aus einem solchen Mangel eine Dauereinrichtung machen.
Der zulässige Weg: Nachrüstsätze vom Hersteller
Wenn dein Gerät eine Schwachstelle hat, ist die Lösung eine vom Hersteller freigegebene Änderung. Nach der Prüfung 2024 haben laut Bericht zwei Hersteller Nachrüstsätze für die Zweihandschaltung entwickelt. Ihr Ziel war, eine Manipulation auszuschließen; beigelegt waren bebilderte Montageanleitungen. Ein weiterer Hersteller hat den Verkauf seines Geräts eingestellt.
Ob ein privater Umbau rechtliche Folgen hat, etwa bei Gewährleistung oder Versicherung, haben wir nicht geprüft. Für die Sicherheit spielt das keine Rolle: Die Schutzwirkung ist mit dem Pedal weg.
Weiterlesen
Alles zur sicheren Bedienung, zur Schutzausrüstung und zum Ein-Personen-Betrieb steht unter Holzspalter sicher bedienen. Wenn du gerade ein Gerät suchst, hilft der Vergleich liegend oder stehend bei der Bauform; liegende Geräte mit eingesehener Anleitung zeigen wir auf der Seite Liegender Holzspalter. Welche Spaltkraft dein Holz braucht, klärt die Frage Wie viele Tonnen Spaltkraft?. Zurück zur Kaufberatung auf der Startseite. Warum auch ein selbst gebauter Spalter keine Lösung ist, erklärt Holzspalter selber bauen.
Fragen aus der Werkstatt
Gibt es Holzspalter mit Fußpedal?
Für die Keilspaltmaschinen, deren Unterlagen wir eingesehen haben, gilt Bedienung mit beiden Händen. Laut Prüfbericht des Regierungspräsidiums Kassel verlangt DIN EN 609-1 Abschnitt 5.6, dass die Steuerung nicht mit anderen Körperteilen als beiden Händen betätigt werden kann. Ob die Norm für einzelne Bauarten andere Steuerungen zulässt, haben wir im Normtext nicht geprüft.
Warum wollen viele eine Hand frei haben?
Meist, um ein Holzstück festzuhalten, das kippt oder verrutscht. Genau das ist laut KAN-Brief 1/2018 eine typische Unfallsituation: Lässt sich ein Stück nicht richtig fixieren, greifen Bediener oder Helfer in den Gefahrenbereich. Besser ist es, das Holz neu einzulegen oder die Stirnseiten rechtwinklig nachzusägen.
Was tun, wenn sich die Zweihandschaltung meines Geräts leicht überlisten lässt?
Gerät nicht so weiter benutzen und beim Hersteller oder Händler nachfragen. Nach der Marktüberwachung 2024 haben laut Regierungspräsidium Kassel zwei Hersteller Nachrüstsätze entwickelt, die eine Manipulation der Zweihandschaltung ausschließen sollen. Solche freigegebenen Sätze sind der richtige Weg.
Quellen
- Regierungspräsidium Kassel: Abschlussbericht 2024 Holzspaltmaschinen (Stand 29.01.2026)
- KAN-Brief 1/2018: Neue Normen für Brennholzkreissägen und Keilspaltmaschinen (S. 15)
- Austrian Standards: DIN EN 609-1:2017-04 Keilspaltmaschinen
- Forest Master: Bedienungsanleitung FM5, FM8 und FM10 (Rev. 5, deutsch)
Weiter im Thema
- WissenSicherheitHolzspalter sicher bedienen: was DIN EN 609-1 von der Zweihandschaltung verlangt, was die Marktüberwachung 2024 fand und welche Regeln für jedes Gerät gelten.
- VergleichLiegend oder stehendHolzspalter liegend oder stehend? Liegend für Scheite bis etwa 50 cm, stehend für Meterholz und dicke Rundlinge – mit Datenblatt-Werten, Prüfbericht und Norm.
- KaufberatungLiegendLiegender Holzspalter für Kaminholz: welche Geräte Scheite bis etwa 50 cm schaffen, worauf du bei Durchmesser, Hub und Arbeitshöhe achtest – mit Anleitungswerten.
- Frage & AntwortWie viele Tonnen Spaltkraft braucht ein Holzspalter für Kaminholz?Wie viele Tonnen Spaltkraft für Kaminholz? Eine Norm gibt es nicht: 5 t für wenig Weichholz, 7 t für frisches Holz, mehr für abgelagerte Buche – laut Hersteller.
Wer das zusammenstellt
Redaktion holzspalter-elektrisch.de
Kaufberatung Holzspalter & Brennholz
Wir sind die Redaktion von holzspalter-elektrisch.de. Wir werten Datenblätter, Bedienungsanleitungen, die Norm DIN EN 609-1 und Berichte der Marktüberwachung aus und machen daraus Kaufberatung für alle, die ihr Brennholz selbst spalten – mit Quellen auf jeder Seite. Eigene Tests oder Messungen machen wir nicht, und das sagen wir offen.
- Datenblätter und Anleitungen ausgewertet
- Norm und Prüfbericht als Maßstab
- Keine eigenen Tests – offen gesagt
- Quellen auf jeder Seite